Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Montag, 17. April 2017

silent sunday #120 Montag gefühlt wie Sonntag














Die Samenbank der Welt, eine Rückversicherung GLOBAL SEED VAULT
Nachdem ungefähr die Hälfte der überschaubaren Welt sich für kleine Diktatoren, selbstgefällige Hodenträger und großspurige Schwätzer begeistern kann, stelle ich mir die Frage: wohin kann ich fliehen, auswandern, wenn es mir hier zu eng wird? Longyearbyen ist ein sehr spezieller Ort wo es kein Vogelgezwitscher und keine Frühlingsblumen gibt. Keine sanfte Welt sondern Extreme sind es, die hier faszinieren. Wäre das eine Option? Hier lagert die Rückversicherung, falls die Welt meint (wieder einmal) sich nur durch Gewalt behaupten zu können. Es wird keine Gewinner geben in diesem "worst case". Aber gewiss einen Neuanfang für die Überlebenden. 
Der Permafrost macht diese einmalige und besondere Aufbewahrung möglich:
Die sichere Bewahrung des botanischen Erbes der Menschheit im Nichts.






Da ist eben nichts, nur Schnee und eisige Wildnis. Es war der kälteste Tag den ich in meinem Leben je erlebt habe. Ausschliesslich nebeliger Schnee und Wind, der sich wie -35 Grad anfühlte. Es werden so -20 Grad gewesen sein, windstill gut auszuhalten. Die Bilder entstanden an zwei Tagen, jeweils mit gebuchter Fototour. Zur Erinnerung: hier geht es nur mit einer Waffe raus aus der Stadt, wegen der Eisbären. 
Mein Guide war Engländer. Das macht Longyearbyen auch besonders: hier leben so viel Nationalitäten friedlich miteinander.



Das er für das Foto die Handschuhe ausgezogen hat, rächte sich sofort. Erst mal wieder im Auto an der Heizung die Finger auftauen. Diese Kälte wirkt umgehend!

Leider darf niemand in das Innere dieses Samen Bunkers, ausser den Menschen die dort arbeiten.


An dem anderen Tag zeigten sich Licht und Landschaft verändert. Das gleiche Motiv aber ein vollkommen anderes Bild. (Na ja, Sonnenschein war auch nicht, aber wenigstens nicht so kalt.)




Über dem Eingang ist ein Kunstwerk angebracht. Es soll sicher die Spitzigkeit der Eiskristalle darstellen? Vielleicht ist es auch nur meine Assoziation, die ich mit dem Geräusch von fallendem Schnee verbinde. Das klang wie Nadelspitzen, wenn ein gar nicht wattig weicher Schnee auf das schräge Dachfenster "meiner" Wohnung fiel.

Und wie gehabt, das HAIKU zum Thema vom 11.3.2017:

Für immer im Frost
Verschlossen der Samen der Welt
Notzeiten Reset.

Und meine Frage an Euch: ob die erste Zeile getauscht mit der letzten wohl besser klingt? Zumindest ergibt sich ein positiveres Bild, wenn "für immer im Frost" die Assoziation hervorruft, das wir es nie brauchen werden, diese Notzeiten Versicherung.

Notzeiten Reset
Verschlossen der Samen der Welt
Für immer im Frost





Kommentare:

  1. Es ist tröstlich, dass angesichts doch immer wieder arg drohenden Nichts und Leere da was fürs Notzeiten Reset lagert... Hoffentlich taut da der Permafrostboden nicht auch, wie z. T. in Sibirien. Tolle Fotos, liebe Petra, was für ein Abenteuer in dieser Gegend zu sein... Und auf Menschen zu treffen, die es verstehen dort friedlich miteinander zu leben. In dieser Kälte... Lieben Gruß Ghislana

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  2. Notzeiten reset als Beginnzeile gefällt mir besser. manchmal denke ich, wie bekloppt es ist, dass wir als Menschheit unsere Diversität allen Saatguts durch Monokulturzucht plattmachen und gleichzeitig im Permafrost ein Notlager halten. Wie schizophren. Und wie tröstlich. Danke für die Bilder. Die schneidende Kälte und die Farben dort. Liebe Grüße, Eva

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