Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 2. April 2017

silent sunday # 118




Michaelas Mustermittwoch inspiriert mich in meiner Reihenfolge der Sonntags Beiträge. Ob sich aus dem BLICK aus dem FENSTER ein Muster entwickeln lässt? Weiss ich nicht. Es beeinflusste aber die Entscheidung für heute. Der Blick aus dem Fenster hinaus war faszinierend. Die Temperaturen in Svalbard sind nicht kuschelig wenn man lediglich "semi passende" Kleidung hat. Ohne Waffenschein und Waffe konnte ich mich nur in Begleitung ausserhalb der Stadt bewegen, die Stadt selber ist aber sehr überschaubar. So blieb ich, nach einem täglichen Spaziergang, überwiegend gemütlich auf der Couch sitzen in der warmen Wohnung. Das Naturschauspiel mit dem Ausblick auf "meinen Hausberg" war reduziert, aber vielleicht aber gerade deshalb faszinierend.



Ich musste viel an Monet denken, die Impressionisten im allgemeinen, die danach strebten den flüchtigen Moment zu erfassen. So erging es mir auch. Im Versuch, das Geheimnis des Berges mit seinen Verwandlungen gemäss der Licht und - Wetterverhältnisse zu erfassen, erschien mir unmöglich.



Eine zeichnerische Annäherung wollte nicht so recht gelingen, so das ich mich letztendlich auf die Veränderungen des Wassers vor dem Berg konzentrierte. Der Name Adventfjord  ist eine Abkürzung von "adventure", Abenteuer. Von Longyearbyen starteten die Expeditionen zum Nordpol. Wen wundert es, das dies ein Abenteuer war mit ungewissem Ausgang! Damals war es NOCH kälter als heute, wegen der Klimaerwärmung, und die Bekleidung ohne High Tech. Mehr dazu später noch einmal mit Bildern aus dem Museum.





Wie man sieht, meistens sieht man NICHTS. Von dem langen Aufenthalt gab es nur 4 oder 5 Tage mit strahlendem Sonnenschein. So war meine künstlerische Suche nach dem NICHTS, japanisch MU ein voller Erfolg. Vor meinem Fenster materialisierte sich das Nichts, anschaulich! Diese permanente Veränderung war die einzige Gewissheit. Das kölsche Grundgesetzt Artikel 5 weiss es auch: Nichts bliev wie et iss. Philosophisch gesprochen denke ich an Heraklit: "In dieselben Fluten steigen wir und steigen wir nicht".




Vielleicht war morgens noch Schneegestöber und eine milchige "Einheitssuppe" und abends kam das herrlichste Licht wieder. Ein anderes mal war morgens das Licht so verlockend, das ich mich in meine warme Kleidung einmummelte um mich auf den Weg zu machen. Zielsicher kam ich dann in das Schneegestöber, welches nach meiner Rückkehr in die warme Wohnung sich in NICHTS auflöste. Der Aufwand von "an und-ausziehen" ist ziemlich abschreckend, ehrlich gesagt. (KLEIDUNG aus verschiedenen Lagen: long john von woolpower, warme Hose, zwei paar Socken in Wanderschuhen mit kräftiger Profilsohle, Ski Unterhemd, kleine Weste aus Synthetik "Daunen" Material, Fleece Jacke und einen sehr warmen Mantel. In Bewegung war das ausreichend. Mitunter zu warm, wenn es windstill war.) Die Profis haben besseres Schuhwerk und solche Scooter Anzüge "Modell Michelinmännchen".


Das HAIKU war meine künstlerische Flucht nach vorn: was ich in der Zeichnung nicht erfassen konnte tauchte unerwartet in Wörtern auf:


6.3.
Versunken im Nichts
Erahnung weiße Landschaft
Traurige Leere


7.3.
Wissend vom Berg dort
Nichts, losgelöst vom Augenschein
Dafür Rentiere


Wissend vom Berg dort
Nichts, befreit von Anschauung
Auflösung im Schnee






Kommentare:

  1. Ich kann Deine Bilderreihe richtig genießen. Weiß, Blau,Grau, lichtes Gelb.... welche Fülle.
    LG
    Magdalena

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    1. Liebe Magdalena, die Fülle an Farbnuancen wahr schon spektakulär, solange es nicht schneite . . .
      LG pipistrello

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  2. Liebe Petra, hab ganz vielen Dank für diesen wunderschönen Einblick. Ausblick. Ganz herzlich, Elvira

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    1. Liebe Elvira, gerne berichte ich davon, das ist auch ein Verarbeitungsprozess.
      LG pipistrello

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  3. Sehr schön, gefällt mir ausgesprochen gut.
    Nur das mit dem Waffenschein hab ich nicht verstanden...
    Eine gute Woche!
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, das ist wegen der Eisbären. Wenn man ausserhalb des Ortes unterwegs ist könnten die kommen und einen angreifen. Zuerst käme die Schreckschusspistole zum Einsatz , wenn es ums überleben geht, darfst du den Bär erschiessen. Jeder Fall wird vom Sysselmannen geprüft auf die Notwendigkeit das Tier zu töten. Bären stehen unter Schutz.
      Im januar war eine Bärin mit zwei Jungen durch die Strasse gelaufen wo meine Wohnung war. Leider passiert das nur einmal ...

      LG pipistrello

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  4. Die Bilder sind hinreißend! Was für ein Abenteuer. Lieben Gruß Ghislana

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    1. Liebe Ghislana, ja, ein sehr spezielles Abenteuer.
      LG pipistrello

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  5. Die Bergbilder mit den Farb- und Lichtwechseln mag ich sehr. Und noch Haikus, wie schön. Den letzten finde ich fantastisch gut. Auflösung im Schnee. Liebe Abendgrüße, Eva

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  6. Ja, schau mal, da habe ich es mit dem Aprilthema doch perfekt getroffen für deinen Blick ins nichts und das sich wandelende Nichts. Aber die Musterliste gibt es erst am Mittwoch, und bis dahin hast du mir persönlich noch viel mehr erzählt. Bis morgen und liebe Grüße
    Michaela

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