Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 14. August 2016

silent sunday #89

Stopp mal! RUHE wünsche ich mir nicht nur am Sonntag.



INNEHALTEN und überdenken:  nach einer sehr anstrengenden Woche mit einem Kunst-Kinder_Projekt frage ich mich: ist es normal das Kinder in Alter zwischen 8 bis 11 Jahren keine halbe Stunde am Stück sich auf eine Sache konzentrieren können? Oder: wenn sie eine Frage stellen woanders hinschauen, sich null interessieren, während ich antworte?









Anstatt buddhistische Gelassenheit zu entwickeln bin ich zum bösen Geist mutiert. 
Voller Verzweiflung ob ich für den Job überhaupt noch geeignet bin.



Das GUTE an der Sache: eine sehr liebe Kollegin berichtete mir, tröstete mich!- das die anderen Kollegen in vorigen Kurs mit den speziellen Kandidaten und einer Kandidatin die gleichen Schwierigkeiten hatten. Beispiel: zwei Jungs, die bei der Oma zu Besuch waren, wären bestimmt  in einem Zeltlager (oder etwas Ähnliches) besser aufgehoben gewesen. (Spielen und bolzen den ganzen Tag!) So quälten sie sich extrem lustlos durch einen kreativ Kurs wo sie durch "null Bock" Verweigerung sich und mir das Lebens schwer machten, permanent auf den Spielplatz rannten! Eine "scheiss Gruppendynamik" entstand. Ein Spagat für mich, sowohl für die anderen Kinder da zu sein bei gleichzeitiger Anstrengung wenigstens ein Minimum an Ergebnis zu erzielen. Die bezahlenden Kinder haben doch ein Recht darauf, oder?
Oma fragte am letzten Nachmittag: "Hatten Sie die gleichen Schwierigkeiten wie ich?" Sie gestand mir, das sie vor dem geplanten Samstags Ausflug mit den beiden Jungs ANGST habe.
Muss es wirklich soweit kommen? Was ist los in der Welt wenn Eltern ihre Kinder so wenig kennen, daß sie nicht abschätzen können was für die Kinder gut ist?


Woran das liegt, diese Entwicklung die seid ein paar Jahren vor sich geht (so die Kollegin Angie) frage ich mich schon. Ein Aspekt ist vielleicht, das diese smarten Telefone auf einen WISCH reagieren und mühelos zwischen den Anwendungen wechseln. Beeinflusst das unser Gehirn? Unsere Erwartungshaltung das ALLES ganz schnell und SOFORT zu geschehen hat? Macht dies die Kinder so ungeduldig? Reizüberflutung bei mangelnder Geduld und Ausdauer führt vielleicht zu den vorgestellten Phänomenen? Es bleiben mehr Fragen als Antworten, ausser Ihr schreibt eure Meinung dazu.
















Kommentare:

  1. Als Lehrerin kann ich sagen, das ist "normal" im Sinne von "üblich und häufig vorkommend", da braucht man oft mehr als Engelsgeduld - und manchmal eben auch den "bösen Geist aus der Flasche".
    Deine Überlegungen gehen einerseits in die gleiche Richtung wie meine, andererseits glaube ich, dass manche Eltern nicht unschuldig sind, weil sie meinen, ihren Kindern von Geburt an ein Bespiel- und Bespaßungsprogramm bieten zu müssen. Die lieben Kleinen haben sonst evtl. keine Chance auf das Abitur, ohne das sie in der heutigen Zeit ja völlig aufgeschmissen wären. Anders kann ich mir den "Wahn" (vermutlich ist es eher Angst) mancher Eltern nicht erklären.
    Eltern kennen ihre Kinder nicht mehr, weil sie keine Zeit für sie haben (das ist kein Vorwurf; von irgendwas muss man ja auch leben), weil die Zukunftsangst so groß ist, weil sie statt auf ihr Kind zu gucken lieber in die vielen Ratgeber gucken, weil sie sich ihr Kind vom "Experten" erklären lassen müssen, weil sie defizitorientiert sind usw.
    Und es gibt gleichzeitig so viele tolle Kinder und Eltern, die mir zeigen, dass es auch anders geht - da will ich mal nicht so schwarz sehen, wie sich das oben liest.
    Liebe Grüße, Jorin

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    1. Manchmal stelle ich fest, dass das, was ich schreibe, evtl. falsch verstanden werden kann, deshalb noch ein Nachtrag zu meinem letzten Satz: Mit "wie sich das oben liest" meine ich meinen eigenen Kommentar, nicht Deinen Blogeintrag!
      Liebe Grüße, Jorin

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    2. Liebe Jorin, danke für deine Gründlichkeit, aber ich habe, so denke ich, alles richtig verstanden. UND ich fühle mich verstanden und wahr genommen!
      LG pipistrello

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  2. Liebe Jorin,

    wie DANKBAR ich dir bin für deinen Beitrag , wie kann ich das ausdrücken???
    Zuerst dachte ich zu viel "Gejammer" ist deplatziert auf dem Blog, aber dann: es geht hier um tiefgreifende, gesellschaftliche Veränderungen. Mir geht es NIE um Vorwürfe, so wie dir, mir geht es um eine Analyse der Situation und wie eine Lösung finden! Und vier tolle Kinder waren auch dabei. Leider geht dieses "einnorden" mit dem Flaschengeist auf Kosten der anderen, was mir am meisten Gedanken macht.

    Nochmals ganz lieben Dank für deine Experten Meinung aus dem wirklichen Alltag mit Kindern!
    pipistrello

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  3. Genau das geht mir auch so oft durch den Kopf, wenn Kinder, die partout nicht wollen und sich lustlos quälen, soviel Energie von uns abziehen, dass die, die mit leuchtenden Augen dabei sind und wollen, einfach zu kurz kommen... So eine Gratwanderung, Meine Erfahrung, man kriegt sie alle, wenn man sie und ihre Bedürfnisse und Beschwernisse kennen lernt, aber dazu ist in großen Klassen keine Zeit. In der Kunsttherapie kann ich mit Einzelnen oder mit kleinen Gruppen arbeiten, da kann man mit solchen Störungen ganz anders umgehen, sie ganz anders abfangen. Aber Gott sei Dank: es gibt sie die Kinder, die kreativen, phantasievollen, die sich in ein Spiel versenken können und voll dabei sind, erlebe ich auch in der Schule, besonders in meiner Schulgarten-AG... (Sonst wäre ich auch als Oma überfordert und würde wohl streiken... Aber wie freue ich mich jedes Jahr auf diese Oma-Ferien bei mir ;-)... Wenn du magst: http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2016/08/sommerfreuden-2.html Herzliche Sonntagsgrüße Ghislana

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  4. Liebe Ghislana,
    du sprichst mir auch so aus dem Herzen, VIELEN DANK dafür! Die guten Momente im Gespräch mit einem Kind kenne ich auch, allerdings SOBALD eine Störung auftritt ist die Aufmerksamkeit dort wo es "brennt" und dieser fruchtbare Austausch abgeschnitten,. . . aber wem erzähle ich das.
    Dem Link folge ich jetzt gleich.
    LG pipistrello

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