Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 19. Juni 2016

silent sunday #81






Über das Pilgern: pilgern beginnt zu Hause, wie ich jetzt festgestellt habe. Mit der Entscheidung so ein Unterfangen anzu-gehen, wörtlich gemeint, scheint eine innere Veränderung einzutreten die Welt mit anderen Augen zu sehen. So bestätigt es auch Frau Annabelle Springer vom Rautenstrauch Joest Museum in Köln. Mit ihr traf ich mich um von meinem Eindruck auf Shikoku als O HENRO zu erzählen. In Köln wird im Oktober die Ausstellung zum Thema eröffnet. Mein bescheidner Beitrag: ein paar Mitbringsel aus Japan.
Die Figur stellt Kobo Daichi dar, auch Kukai genannt, der Begründer der 88 Tempel Route auf Shikoku.




Kukai heisst wörtlich: Himmel und Meer. So nannte Kobo Daichi sich selbst. Der Name verweist auf die Situation und den Ort, wo er Erleuchtung erlangte. Er hatte zuvor ziemlich lange in einer Höhle am Pazifik meditiert, in einer zweiten Höhle gleich nebenan gelebt. Leute, ich war da: scheiss kalt trotz sommerlichen Aussentemperaturen, dunkel und sehr ungemütlich. Wahrscheinlich waren die Menschen damals nicht so empfindlich wie wir heute? 

So sieht es im Inneren aus. Mittlerweile ist dort ein Gedenk Ort wohin Gläubige Buddhisten und "dusselige" Deutsche hin gehen.


Überall entlang unseres Weges am Pazifik, in jedem kleinen Ort, findet man diese Hinweis Schilder. Im Falle eines Erdbebens, inklusive der Gefahr eines Tsunamis, soll sich jeder SOFORT zu diesen Rescue Plätzen begeben. Es sind Stahlkonstruktionen, luftig durchlässig um dem Wasser keinen Widerstand zu bieten, wo Treppen hinauf führen zu Plattformen die ÜBER dem befürchtetet Wasserstand hinausragen. Ich hoffe die kommen nie zum Einsatz!
Solch eine Entwicklung konnte Kukai nicht voraussehen, wenn er auch in philosophischen und religiösen Dingen seiner Zeit wohl weit voraus war.




Die Menschen glauben an ihn, an seine Kraft die übe seinen Tod hinaus als wirksam empfunden wird.
Die meisten Japaner pilgern mit Bus und Auto, nehmen sich nicht die ganze Strecke auf einmal vor. Wer dort wohnt kann ja Tempel für Tempel in Etappen besuchen. Auch organisierten Gruppen  sind wir begegnet, die von einem spirituellen Führer angeleitet werden. Ich stelle mir das vor wie eine Gruppenreise mit dem Kirchenverein wo der Pastor mit dabei ist. Menschen sind gleich überall auf der Welt: sie suchen Glück, wollen Leid vermeiden und hoffen auf Linderung oder Heilung wenn sie krank sind. 

Utensilien wie sie auf der Pilgerschaft getragen werden und in fast jeden Tempel gekauft werden können. Tempel EINS hat natürlich ein besonders reichhaltiges Angebot. Westen mit und ohne Ärmel, eine grosse Auswahl an "Stamp Books" in das die wunderbaren Kalligraphie eingeschrieben werden. Den Hut, den Wanderstab, ein kleines Büchlein mit der Herz Sutra, und vieles mehr.
Zu meinem Hut gibt es eine wunderschöne Geschichte: das ganze "Vergnügen" kostet ja auch einiges und so geizte ich am Hut, obwohl ich schon Interesse daran hatte. Ein paar Schritte von der "Main Hall" entfernt, wollte ich etwas aus meinem Rucksack holen und hatte ihn auf einer Bank abgestellt. Dort finde ich meinen Hut mit einem Schild daran: O SETTAI please take it! O-settai werden die Geschenke genannt, die man den Pilgern anbietet wenn Sie zu Fuß unterwegs sind. Das können kleine Erfrischungen sein, ein Bonbon, etwas zu essen oder eine Tasse Tee die bereit gestellt wird. So hatte eine australische Pilgerin ihren Hut zu verschenken und ich habe ihn gefunden. Das hat mich fast zu Tränen gerührt so habe ich mich gefreut! Vom Schicksal positiv ausgewählt etwas Besonderes zu erleben! So hat sich das angefühlt!
Auf einem Tisch am dem letzten Tempel Nr.88, habe ich den Hut wieder mit einem Zettel versehen und als O-SETTAI liegen gelassen. 

Andere Pilger wiederum laufen tatsächlich den ganzen Weg! An dem Tempel 88 konnte ich Menschen beobachten wie sie mit dem schweren Gepäck und zerlaufenen Schuhen zufrieden, erschöpft und nachdenklich auf eine Bank sassen. Mit einem Belgier, der dort überglücklich ankam, konnte ich mich unterhalten. Er war so euphorisch das er sofort die gleiche Strecke wieder laufen wollte, nun in entgegen gesetzter Reihenfolge. Beeindruckend so eine persönliche Begegnung!



Ich hoffe seine Freude und sein Glücksgefühl kommen noch rüber, obwohl ich seine strahlenden Augen retuschieren musste, zwecks Schutz der Privatheit. Leider habe ich versäumt Adressen zu tauschen.

1 Kommentar:

  1. Ergreifend... Toll, dass du das gemacht hast. Lieben Gruß Ghislana

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