Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 8. März 2015

silent sunday No 55 : Kunst&Inspiration / echt falsch 1. Teil

Der Rundgang in der Düsseldorfer Kunstakademie hat sich für mich besonders gelohnt, da ich eine Fülle an Fotomotiven entdeckte. Ist es der kreative Ort, das Umfeld, liegt hier was in der Luft was diesen Inspirationsschub auslöste?


Die Farben eines Abfalleimers bilden bereits ein abstraktes, total harmonisches Bild mit erdiger, gedämpfter Farbpalette.


Das "Nebelfenster", eine verschmutzte oder eine kaputte Scheibe, sind vergleichbar dem Hamilton Effekt. Die Fotografen unter Euch erinnern sich vielleicht noch daran, wie in der analogen Fotografie eine Vorsatzlinse mit Vaseline eingerieben eben diesen Effekt hervorrief. (Anhauchen geht auch, wenn man flott den Auslöser betätigt). Heute gibt es sicherlich ein digitale Anwendung, die einem diese Improvisation abnimmt. Vielleicht verschwindet damit aber damit auch das alte Wissen, wo es einmal herkam?



Echt falsch finde ich es, wenn sich die hochformatige Gips-Plastik (Bild oben) optisch wieder findet im Gefundenen (Kabel-Foto: falsch). Die Form, die Kontur der aufgebrochenen Wand und die vertikal verlaufenden Kabel abstrahiere ich spontan im Kopf zu einem LINIEN Gebilde. Es wird in meiner Phantasie und in meiner Wahrnehmung zu einem organischen Gefüge, ein Linien Arrangement von Parallelen, vergleichbar dem "echten Original", der farbigen Gipsplastik mit ihren horizontalen Schichtungen.


Mit einer "falschen"vertikalen Schichtungen geht's weiter. Die Wahrnehmung verändert sich, sobald ich die Schichtung als künstlerisches Prinzip, als künstlerische Methode erkannt habe. Dann kann ich es überall entdecken.

Für alle, denen das zu "Schulmeisterlich" vorkommt: stimmt, ich doziere gerne. Weil ich meine Erkenntnisse in Kunstdingen für wichtig erachte, habe ich begonnen ein Buch darüber zu schreiben. Arbeitstitel: KUNST FÜR BESSERWISSER!  Meines Erachtens gibt es so viel Schrott auf dem Buchmarkt mit Titeln wie diesen: Kunst leicht gemacht, oder : In 10 Schritten zum erfolgreichen Aquarell. und so weiter! Diesen Behauptungen möchte ich energisch widersprechen. KUNST SCHAFFEN ist nicht leicht so mal eben nebenbei zu schaffen. Hobbymässiges malen ist OK, aber viel zu schnell und leichtfertig nennt sich jeder gleich Künstler, der mal ein paar VHS Semester gepinselt hat. Sorry, das klingt in manchen Ohren vielleicht überheblich, aber mir verursachen solche Ergebnisse Bauchschmerzen. In einem Kollegengespräch ( Klaus Kammerichs)  erfuhr ich letztens: ihm geht das so.  Sehr beruhigend. Also, in diesem Sinne: dran bleiben!

Kommentare:

  1. Tolle Fotos!
    Jetzt raus in die Sonne...
    einen schönen Sonntag und liebe Grüße
    Christine

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    1. Liebe Christine,
      nett das du trotz Frühlingsgefühlen meinen Blog besucht hast.
      LG pipistrello

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  2. Wunderbare inspirierende Fotos, und die erinnern mich jetzt gerade wieder an das beim Mustern von mir aufgegriffene alte Fritz-Kühn Buch "Sehen und Gestalten", du zeigst es ja: mit Sehen fängt es an ... Ach ja... ;-), da kriegen die Volkshochschulen aber bei dir mal wieder ihr Fett ab... Ich meine: das Recht sich kreativ in diversen Formen auszudrücken, hat jeder, und eigentlich - wenn man an die Kindheit denkt - ist es ein menschliches Urbedürfnis sich nicht nur redend auszudrücken. Und manches kann man nicht mal redend, sondern nur bildnerisch oder noch anders sagen (um vielleicht dann erst auch Gedanke, Worte dafür zu finden..., denke jetzt an therapeutischen Kontext). Insofern haben Künstler diese Ausdrucksformen nicht gepachtet. Aber den Umstand, dass in regionalen "Künstleradressbüchern" neben dem gestandenen, studierten, erfahrenen Künstler oder begnadeten sich langjährig entwickelnden Autodidakten dann auch so manche "Hobbymaler/innen" als (Möchtegern)-"Künstler/innen" stehen, kenne ich auch und habe diesbezüglich sehr widerstreitende Empfindungen. Nebenbei, aus unseren von gestandenen Künstler/innen geleiteten VHS-Kursen (war 15 Jahre lang hauptamtliche Mitarbeiterin dort), sind im Laufe langer Jahre sowohl (natürlich wenige) Malerinnen auch Keramikerinnen hervorgegangen, die ich Künstlerinnen zu nennen vermag ;-). Die haben eben den (langen!) Weg der individuellen Begleitung durch Künstler gewählt, alle Zweifel und Rückschläge inbegriffen, und nicht deine oben angegebenen Bücher "In 10 Schritten zum..." ;-) . Und unbedingt - jeder darf und soll malen - das hat erstmal gar nichts mit Talent und Können zu tun, sondern mit einem Weg der Beziehung zu sich selbst. Er muss sich ja nicht gleich für eine Kunstausstellung bewerben. Dass bei sovielen Menschen die Überzeugung besteht, malen und formen oder sonstwas sollte man nur, wenn man "kreativ" ist und "Talent" hat, halte ich für eine schlimme Entwicklung im menschlichen Selbstverständnis. Wer hat diese Entwicklung eigentlich "verbockt"? Liebe Sonntagsgrüße - ich geh jetzt in den Garten! - Ghislana

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  3. Liebe Ghislana,
    na, da habe ich wohl einen wunden Punkt erwischt. Gestern war ich mit der MÜLLERIN ART Michaela bei Boesner einkaufen und da waren sie wieder die Bücher: "Genial malen" als Titel. Einfach so wird das behauptet. DAS ist was mich aufbringt, das eine Leistung, ein ganzer Berufsstand so nieder gemacht wird als wenn das so einfach wäre das "jeder Mensch ein Künstler" sei. Jeder sollte in der Tat sich kreativ ausdrücken, da bin ich ganz deiner Meinung. Mein Lieblingsvergleich ist der mit dem Arzt Beruf: nur weil jemand 2, 3 Gesundheitskurse irgendwo besucht hat ist er noch lange nicht Arzt und dürfte sich auch nicht so nennen. Das Berufsbild des Künstlers ist ungeschützt und frei verfügbar. Sogar bei dem Akademie Rundgang habe ich etwas entdeckt das EINDEUTIG geklaut war, im Vergleich mit einer Ausstellung wo jemand die identische Sache gemacht hart mit 2 Jahren Vorsprung. DAS finde ich auch peinlich.
    Liebe Ghislana, ich denke wir hätten ein sehr spannende Unterhaltung führen können und ich danke dir für deine mitdenkende mail. Viele Aspekte sprichst du an und ich wünschte mir ich hätte deine Telefonnummer um mal in echt mit dir zu sprechen. Wenn du auch Lust auf einen Plausch hast: 0221/9 77 77 01.
    LG pipistrello

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