Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 29. März 2015

silent sunday No 58 / Buchbinden

Der Frühling ist da! Nicht weil wir im Blumengeschäft solche Gestecke kaufen können, sondern weil im Wald die Anemonen blühen. DAS ist ein sicheres Zeichen, auch wenn der trübe Regentag wirklich zum verkriechen ist. Kuschelwetter eben!





Bei dem letzten Buchbinde Workshop erlebten wir Blumenzeit. Meine selbst gehäkelte Rose wird zum Verschluss für das Buch. Der rückseitig angebrachte Faden kurz um den angenähten Stil der Rose wickeln, fertig. Anregung für ein romantisches Tagebuch oder für poetische Liebesgedichte bei aufwallenden Frühlingsgefühlen.





Fröhlich bunt gestaltete sich die Schreibwerkstatt von Isa Schikorsky. Jede Teilnehmerin erhielt solch ein kleines Notizheft. Nach dem Rundgang durch die alte Brotfabrik und dem inspirierenden Umfeld im Atelier bei Ines Braun entstanden wunderbare Texte.  Fleissig wurde beobachtet und verschollene Erinnerungen geweckt. Überraschende Gefühle der Kindheit kehrten zurück. Aus der Fülle gesammelter Eindrücke generierten die Teilnehmerinnen in meinem Atelier ihre Texte. Beeindruckt von der Vielfalt und der Phantasie waren wirklich alle begeistert, als die unterschiedlichen Wort Verwandlungen vorgelesen wurden. Dieses Ereignis wird sicher in 2016 seine Fortführung erleben.











Hoffentlich bekommt keiner von Euch eine Krise, wenn ihr erkennt, das ich doch tatsächlich die FLOW zerschnitten habe um diese farbenfrohen Papiere für Heften zu nutzen. Bei dem bevorstehenden Umzug darf ich nicht zimperlich sein: Ballast abwerfen und Material verwandeln ist meine Devise. Die wichtigste Frage heisst: "macht mich das glücklich"? Wenn nein, muss es weg. FLOW macht mich zwar glücklich und ist immer im richtigen Moment im Briefkasten, aber aufbewahren muss nicht sein. Nun hat sich das Glücksgefühl sogar vermehrt: zuerst natürlich beim Lesen, dann beim werkeln, zuletzt durch die leuchtenden Augen der Beschenkten. Welch ein Gewinn!

Sonntag, 22. März 2015

silent sunday No 57 _ Kunst & Inspiration | echt falsch 3. Teil



Kaffee geht immer, nicht wahr? Dies ist der dritte Teil meiner Kunst Exkursion, dem rechten Winkel und dem Raster gewidmet. Linien von alten Industriefenstern in der Akademie sowie viele lineare Entdeckungen während des Rundgangs, die Horizontalen und Vertikalen, bestätigen mir, das ich den Titel für mein Reise-Skizzenbuch: Linien sind überall! richtig gewählt habe. Darauf mit den Buch auf Entdeckungstour zu gehen, freue ich mich schon. Es sind zwei sehr lang gezogene, horizontal ausgelegte Formate, alleine schon deshalb "Landschaft", bevor ich innen überhaupt gezeichnet habe.


Wand Entdeckung.



Rasterungen auf mehreren Ebenen, Industriefenster, Gerüst und winkelige Strassenbeleuchtung.



Die Abstraktion der Linien und Flächen, quasi das NICHTS als verlorene Form. Wir wissen: da war mal was…! Einer meiner Lieblingsbilder: die Zeichnungen von Sean Scully Change and Horizontals. Er beschäftigt sich ausschließlich mit Rasterungen, breiten und schmalen Linien, eine abstrakte Bildwelt mit "Aura", wie ich meine.


Abgestellter Müll schreit förmlich danach, zu einem reduzierten, gegenstandslosen Bild verarbeitet zu werden. Der Bild-Ausschnitt bringt es dann. Das Auge des Betrachters entscheidet über Sinngehalt und fragt: " Ist das Kunst oder kann das weg?"










Elsworth Kelly ein Künstler, der mit totaler Abstraktion seine Thema umsetzt. Jüngst zeichnet er nun auch Pflanzen, wahrlich ein grosser Sprung, der "nur" etablierten Künstlern "gestattet" ist. Unbekannten Berufs-Vertretern würde der "böse" Kunstmarkt dies nicht verzeihen. Der Kunde möchte Gewissheit. Wo Elsworth Kelly drauf steht muss auch erkennbar Elsworth Kelly drin sein, sonst verliert die kostspielige Investition irgendwann ihren Wert. Käufer, die Gewinnorientiert denken, achten strikt darauf. 


Sonntag, 15. März 2015

silent sunday No 56 _ Kunst & Inspiration / echt falsch 2. Teil


Weiche, runde, geschwungene Formen, also organische Gebilde, sind dem zweiten Teil meines Posts geschuldet. Das oberste Bild ist eine präsentierte Skulptur, mit Linsen (?) beklebt und weiss gepinselt. Das Handtuch entsprich ebenso einer schmiegsamen, soften,  organischen Zufalls-Form und erinnert daran, das etliche Künstler aus textilem Material ihre Werke kreieren. Decken, Stoffliches sind Materialen die uns sehr vertraut sind, an etwas Kuscheliges denken lassen, wie ein URBÜNDEL von Eva Helene Stern. 
Die abgenutzte Armlehne vom Sofa macht auf mich einen unangenehmen, irgendwie lebendigen Eindruck. Ich finde es ein wenig eklig, vielleicht wegen dem "Kötzelfarbenem", "Dünnschissigem" gelbbraun? Zumindest passt das Sofa zum Fussboden, fast schon kleinbürgerlich, inklusive dem herbei phantasiertem Interieur: Gelsenkirchener Barock. (smile)



Ein "echtes Studenten Werk" in der Grundform: Kreis. Die Addition einer sich wiederholenden Form kann aus wirklich ALLEM gestaltet werden, es gelingt immer, da die Kreisform, das Mandala, als ruhige, in sich geschlossene Form eine starke Ausstrahlung und Präsenz  besitzt.


Solch ein Papierbecher wird mein wichtigstes "Instrument" bei der Visualisierung des Buches: Kunst für Besserwisser sein. Dauert noch ein Weilchen, sicher bis 2016.

Sonntag, 8. März 2015

silent sunday No 55 : Kunst&Inspiration / echt falsch 1. Teil

Der Rundgang in der Düsseldorfer Kunstakademie hat sich für mich besonders gelohnt, da ich eine Fülle an Fotomotiven entdeckte. Ist es der kreative Ort, das Umfeld, liegt hier was in der Luft was diesen Inspirationsschub auslöste?


Die Farben eines Abfalleimers bilden bereits ein abstraktes, total harmonisches Bild mit erdiger, gedämpfter Farbpalette.


Das "Nebelfenster", eine verschmutzte oder eine kaputte Scheibe, sind vergleichbar dem Hamilton Effekt. Die Fotografen unter Euch erinnern sich vielleicht noch daran, wie in der analogen Fotografie eine Vorsatzlinse mit Vaseline eingerieben eben diesen Effekt hervorrief. (Anhauchen geht auch, wenn man flott den Auslöser betätigt). Heute gibt es sicherlich ein digitale Anwendung, die einem diese Improvisation abnimmt. Vielleicht verschwindet damit aber damit auch das alte Wissen, wo es einmal herkam?



Echt falsch finde ich es, wenn sich die hochformatige Gips-Plastik (Bild oben) optisch wieder findet im Gefundenen (Kabel-Foto: falsch). Die Form, die Kontur der aufgebrochenen Wand und die vertikal verlaufenden Kabel abstrahiere ich spontan im Kopf zu einem LINIEN Gebilde. Es wird in meiner Phantasie und in meiner Wahrnehmung zu einem organischen Gefüge, ein Linien Arrangement von Parallelen, vergleichbar dem "echten Original", der farbigen Gipsplastik mit ihren horizontalen Schichtungen.


Mit einer "falschen"vertikalen Schichtungen geht's weiter. Die Wahrnehmung verändert sich, sobald ich die Schichtung als künstlerisches Prinzip, als künstlerische Methode erkannt habe. Dann kann ich es überall entdecken.

Für alle, denen das zu "Schulmeisterlich" vorkommt: stimmt, ich doziere gerne. Weil ich meine Erkenntnisse in Kunstdingen für wichtig erachte, habe ich begonnen ein Buch darüber zu schreiben. Arbeitstitel: KUNST FÜR BESSERWISSER!  Meines Erachtens gibt es so viel Schrott auf dem Buchmarkt mit Titeln wie diesen: Kunst leicht gemacht, oder : In 10 Schritten zum erfolgreichen Aquarell. und so weiter! Diesen Behauptungen möchte ich energisch widersprechen. KUNST SCHAFFEN ist nicht leicht so mal eben nebenbei zu schaffen. Hobbymässiges malen ist OK, aber viel zu schnell und leichtfertig nennt sich jeder gleich Künstler, der mal ein paar VHS Semester gepinselt hat. Sorry, das klingt in manchen Ohren vielleicht überheblich, aber mir verursachen solche Ergebnisse Bauchschmerzen. In einem Kollegengespräch ( Klaus Kammerichs)  erfuhr ich letztens: ihm geht das so.  Sehr beruhigend. Also, in diesem Sinne: dran bleiben!

Mittwoch, 4. März 2015

Mustermittwoch Kunst & Inspiration





In weiser Voraussicht auf den Müller Muster Mittwoch habe ich meinen Snack vom letzten Buchbinde  Samstag fotografiert. Ein herzhafter Mini Nudel Auflauf im Silikon Muffin Förmchen gebacken machte diese hübsche Rosetten Muster. Also, die Eingebungen lauern überall, Augen aufhalten lohnt sich!



LEIDER stammen diese tollen CUT´s NICHT von mir. Schaut auf den Link, der führt weiter zu KIRIGAMI als Japanfan darf dieser Aspekt natürlich nicht fehlen: wir kennen es alle und haben zu Weihnachten Sterne in dieser Methode ausgeschnitten. Die japanische Variante ist selbstredend verfeinert, kleinteiliger und filigraner. Wer sich die Zeit nimmt und durch das Netzt hangelt findet faszinierende Anregungen. Diese Papiervorlage passt auch wunderbar zum Gelli Print, und zur Verzierung von Uni färbenden Buchleinen: Vorlage auflegen, evtl. mit ablösbarem Sprühkleber fixieren und Farbe aufstupfen, mit Stupferpinsel, Schwämmchen oder kleinem Stempelkissen.

Sonntag, 1. März 2015

silent sunday No 54 BUCHBINDEN 2. Teil







Letzte Woche habe ich euch hoffentlich neugierig genug gemacht um heute das Ergebnis meiner Koptischen Bindung zu bestaunen. Zum einen habe ich als Vorsatzpapier einen Holzschnitt-Druck von mir verwendet und innen ein spezielles Papier: Durex von Schoellershammer. Deshalb auch der Aufwand mit meiner Experiment--Technik um speziell dieses Papier "Bindungstauglich" zu machen.






Kann man es erkennen? Die gefalteten Papierstreifen sind, im ersten Schritt, an das "gute" Papier geklebt und mittels Schablone für die Lochung markiert. Die Lagen liegen vorbereitet vor mir und werden einzeln genäht.







DAS ist ein Fummelskram kann ich euch sagen!!! Glücklicherweise ahnte ich, das die Koptische Bindung auch nur so eine Art häkeln ist. Die Nadel habe ich mir dann zwischen den Papierlagen mit der Häkelnadel rausgezogen. Das mühsame hochheben von dem grossen Papierbogen blieb mir erspart und schonte das Papier. Als knifflig stellte sich heraus, die Hilfskonstruktion "grauer Papierstreifen" zu verarbeiten, zu dünn. So lernt man/Frau halt dazu!




So sieht es aus, inklusive angeknotetem Faden. Nun zur Kür: wie bekomme ich den Deckel an das fast fertige Buch? Da musste ich mir was einfallen lassen, so nach "Lehrbuch" geht das nicht. Ich bin "lost im Papierladen".







1 2 3 das magische Wunder-Häkeln am lebenden Objekt. Vielleicht nicht schön, aber selten, garantiert frei improvisiert.
Warum mache ich den Unsinn überhaupt? Weil ich unbedingt ein Buch wollte das mir auf Reisen die Chance bietet, bequem auf meinem Lieblingspapier zu zeichnen. Skizzenpapier ist OK, aber nicht in allen Lebenslagen. In der Kunst heisst es "in situ" wenn man eine Installation für einen bestimmten Ort gestaltet. Genau das plane ich mit dem Buch: vor Ort zeichnen! And, we proudly present: 






Buch mit Durchblick!