Pipistrello ist Italienisch und heißt Fledermaus. Von der Decke hängend kann dieses Lebewesen die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Von ihm lernend möchte auch ich das Leben aus einer gewissen Distanz anschauen. Auf den Kopf gestellt und mit einem anderen Blickwinkel erlebt begegnet mir das Leben mit mehr Humor und Glücksmomenten.


Sonntag, 23. April 2017

silent sunday # 121 Gehirn einschalten


Unglaubliche Weite. Kein fake, Eis, Schnee und Gletscher sind dort Wirklichkeit. Noch ist die Arktis zu bestaunen! Der Klimawandel wird möglicherweise einer zukünftigen Generation dieses gebundene Wasser in anderer Form präsentieren. Vielleicht werden Wissenschaftler auch für diese Entwicklung eine Lösung finden??? Also mein Appell: Gehirn einschalten!

Neben allen Protesten die derzeit in den Krisenregionen dieses Planeten stattfinden ist der "march for science" heute mein "Aufhänger" für diesen Post. Denkende und forschende Menschen haben uns weiter gebracht. Allerdings hat die Medaille, wie bekannt, immer zwei Seiten. Wissenschaft hat auch die Atombombe möglich gemacht. Die Entdecker der Kernspaltung haben die Bombe aber nicht angewendet. Diese Entscheidung liegt in einer anderen Verantwortung. So ist die die Neugierde von Suchenden aus meiner Sicht positiv zu bewerten.



Das Suchen und Forschen scheint dem Menschen eigen. Im Museum in Longyearbyen wird anschaulich erklärt wie schon die Holländer Svalbard mit ihren Schiffen erreichten. Wenn ich mir das Equipment anschaue, die vollkommen unangemessene Bekleidung damaliger Zeit, Respekt vor diesem Wagemut. Auch wenn die Motivation der Walfang war. Glücksritter auf der Suche nach Nahrung und einem guten Verdienst. (Wodurch sich die Menschen auch auszeichnen: angetrieben von der Suche nach Geld und Reichtum.  Eroberungen, Plünderungen und Ausbeutung werden so "legitimiert", im Namen höherer Mächte...)



Andere Forscher und Abenteurer sind für immer mit Longyearbyen verbunden, Nobile und Amundsen, die von Ny Alesund mit dem Zeppelin NORGE starteten und als erste den Nordpol erreichten. Damals war es noch viel kälter und die Eisschicht dicker. Es gab lediglich ein kleines Zeitfenster für eine solches unterfangen. "Dank" >global warming< können heute die Schiffe früher und weiter fahren. Ein klein wenig dieser Atmosphäre  konnte ich nachempfinden, wie es damals gewesen sein könnte, auf meinem Schiffsausflug nach "Pyramiden".  Davon später mehr. Hier erst mal die Bilder von dem brechenden Eis am Schiffsrumpf.

Als Nobile auf einer zweiten Expedition verunglückte, machte sich Amundsen auf die Suche. Er selbst überlebte dies nicht, während Nobile gerettet werden konnte. Die Geschichte von Treue und Freundschaft kann nachgelesen werden bei meiner Lieblings - Informations - Quelle WIKIPEDIA. Wissen kostenlos für ALLE, so soll es sein! 

Auszug:

"Amundsen starb vermutlich, als sein Flugzeug, ein Flugboot des Typs Latham 47 mit 1000 PS, in der Arktis nahe der Bäreninsel verlorenging. Er war am 18. Juni 1928 aufgebrochen, um Umberto Nobile zu retten, dessen Luftschiff Italia auf einer Eisscholle abgestürzt war. Dies geschah auf den Tag genau 25 Jahre, nachdem er seine Tätigkeit als Polarforscher auf der Gjøa begonnen hatte. Amundsens Flugzeug, eine französische Leihgabe, ist bis heute nicht gefunden worden. Man fand jedoch einen Benzintank des Flugzeugs, der Bearbeitungsspuren trug und heute im Polarmuseum in Tromsø besichtigt werden kann.[7] Wahrscheinlich hatten Amundsen und sein Gefährte versucht, sich damit zu retten."






Und weil Michaela im April Muster Thema FENSTER aufgerufen hat, zum Abschluss noch die Schriftzüge vom Museumsfenster. Sie zeigen zum einen Gedanken und Empfindungen von Kälte und Eis der Arktis und gleichzeitig gab es den Durchblick nach draussen: war richtig kalt an diesem Tag mit Schneegestöber. Na, deshalb war ich ja im Museum.









Montag, 17. April 2017

silent sunday #120 Montag gefühlt wie Sonntag














Die Samenbank der Welt, eine Rückversicherung GLOBAL SEED VAULT
Nachdem ungefähr die Hälfte der überschaubaren Welt sich für kleine Diktatoren, selbstgefällige Hodenträger und großspurige Schwätzer begeistern kann, stelle ich mir die Frage: wohin kann ich fliehen, auswandern, wenn es mir hier zu eng wird? Longyearbyen ist ein sehr spezieller Ort wo es kein Vogelgezwitscher und keine Frühlingsblumen gibt. Keine sanfte Welt sondern Extreme sind es, die hier faszinieren. Wäre das eine Option? Hier lagert die Rückversicherung, falls die Welt meint (wieder einmal) sich nur durch Gewalt behaupten zu können. Es wird keine Gewinner geben in diesem "worst case". Aber gewiss einen Neuanfang für die Überlebenden. 
Der Permafrost macht diese einmalige und besondere Aufbewahrung möglich:
Die sichere Bewahrung des botanischen Erbes der Menschheit im Nichts.






Da ist eben nichts, nur Schnee und eisige Wildnis. Es war der kälteste Tag den ich in meinem Leben je erlebt habe. Ausschliesslich nebeliger Schnee und Wind, der sich wie -35 Grad anfühlte. Es werden so -20 Grad gewesen sein, windstill gut auszuhalten. Die Bilder entstanden an zwei Tagen, jeweils mit gebuchter Fototour. Zur Erinnerung: hier geht es nur mit einer Waffe raus aus der Stadt, wegen der Eisbären. 
Mein Guide war Engländer. Das macht Longyearbyen auch besonders: hier leben so viel Nationalitäten friedlich miteinander.



Das er für das Foto die Handschuhe ausgezogen hat, rächte sich sofort. Erst mal wieder im Auto an der Heizung die Finger auftauen. Diese Kälte wirkt umgehend!

Leider darf niemand in das Innere dieses Samen Bunkers, ausser den Menschen die dort arbeiten.


An dem anderen Tag zeigten sich Licht und Landschaft verändert. Das gleiche Motiv aber ein vollkommen anderes Bild. (Na ja, Sonnenschein war auch nicht, aber wenigstens nicht so kalt.)




Über dem Eingang ist ein Kunstwerk angebracht. Es soll sicher die Spitzigkeit der Eiskristalle darstellen? Vielleicht ist es auch nur meine Assoziation, die ich mit dem Geräusch von fallendem Schnee verbinde. Das klang wie Nadelspitzen, wenn ein gar nicht wattig weicher Schnee auf das schräge Dachfenster "meiner" Wohnung fiel.

Und wie gehabt, das HAIKU zum Thema vom 11.3.2017:

Für immer im Frost
Verschlossen der Samen der Welt
Notzeiten Reset.

Und meine Frage an Euch: ob die erste Zeile getauscht mit der letzten wohl besser klingt? Zumindest ergibt sich ein positiveres Bild, wenn "für immer im Frost" die Assoziation hervorruft, das wir es nie brauchen werden, diese Notzeiten Versicherung.

Notzeiten Reset
Verschlossen der Samen der Welt
Für immer im Frost





Sonntag, 9. April 2017

silent sunday #119 FENSTER DURCHBLICK







Michaelas April-Fenster-Thema reizt mich ein wenig über das Fenster im allgemeinen und speziellen nachzudenken. Warum sind Fenster so interessant? Sie gewähren Einblicke, Ausblicke und möglicherweise eröffnen sie Durchblicke auf etwas Verborgenes, mitunter auch unfreiwillig. Gezielt, wird der Einblick eröffnet bei Schaufenstern, wie in diesem Beispiel aus Japan.


Aus aktuellem Anlass hier ein Hasenfenster. An den Osterhasen hat dabei wohl niemand gedacht. Der Hase ist ein Symbolträchtiges Tier in Japan: usagi . Daher sicher die vielen Varianten des gleichen Tieres, der bei uns eben eine ganz andere Bedeutung hat.




Unfreiwillige Beobachtungen, bei dem richtigen Lichteinfall möglich, ergeben sich mit einem Teleobjektiv. Irgendwie gemein, da fühlt sich jemand sicher in seinem Haus und wird doch gesehen. Bei der Restaurant Terrasse ist der Blick unverstellt, dennoch habe ich auch hier ein vages Gefühl von "Verletzung" der privat Sphäre? (Bilder: Spaziergang in Kyoto entlang des Kamo Flusses.)


Die Verdopplung von "Berg" in der Reflexion im Radisson Blu Hotel Fenster in Longyearbyen. Fenster verdecken hier den Einblick, den Durchblick allerdings nicht seitens der Gäste, die ja den Blick nach draussen geniessen können. (Ein sehr teures Vergnügen, wenn ich das mal erwähnen darf. In der Hauptsaison über 300 Euro, DIE NACHT. Wer nach Longyearbyen fliegen möchte fragt mich liebt nach meinem persönlichen Kontakt, ich vermittle gerne).

Eine sicher einmalige Variante, den Einblick sowie den Ausblick zu verhindern, gibt es in diesem sehr speziellen Ort, wo im Sommer die Sonne nicht untergeht. Um in der Nacht etwas Dunkelheit zum schlafen zu haben, sind die Fenster (rechts am Haus) im Schlafraum mit Albfolie zugeklebt- (oder so etwas das ausschaut wie Albfolie). Nicht nur an den Fenstern in "meiner" Wohnung, auch an den anderen Häusern ist das so. Unterschiedliche Reflektieren auf Glas und Folie von meinem "Hausberg" gegenüber sind zu erkennen.



HAIKU vom 11. März 2017

Niemals weisser Schnee
Unfassbare Farbigkeit
Tageslicht Wandel



Sonntag, 2. April 2017

silent sunday # 118




Michaelas Mustermittwoch inspiriert mich in meiner Reihenfolge der Sonntags Beiträge. Ob sich aus dem BLICK aus dem FENSTER ein Muster entwickeln lässt? Weiss ich nicht. Es beeinflusste aber die Entscheidung für heute. Der Blick aus dem Fenster hinaus war faszinierend. Die Temperaturen in Svalbard sind nicht kuschelig wenn man lediglich "semi passende" Kleidung hat. Ohne Waffenschein und Waffe konnte ich mich nur in Begleitung ausserhalb der Stadt bewegen, die Stadt selber ist aber sehr überschaubar. So blieb ich, nach einem täglichen Spaziergang, überwiegend gemütlich auf der Couch sitzen in der warmen Wohnung. Das Naturschauspiel mit dem Ausblick auf "meinen Hausberg" war reduziert, aber vielleicht aber gerade deshalb faszinierend.



Ich musste viel an Monet denken, die Impressionisten im allgemeinen, die danach strebten den flüchtigen Moment zu erfassen. So erging es mir auch. Im Versuch, das Geheimnis des Berges mit seinen Verwandlungen gemäss der Licht und - Wetterverhältnisse zu erfassen, erschien mir unmöglich.



Eine zeichnerische Annäherung wollte nicht so recht gelingen, so das ich mich letztendlich auf die Veränderungen des Wassers vor dem Berg konzentrierte. Der Name Adventfjord  ist eine Abkürzung von "adventure", Abenteuer. Von Longyearbyen starteten die Expeditionen zum Nordpol. Wen wundert es, das dies ein Abenteuer war mit ungewissem Ausgang! Damals war es NOCH kälter als heute, wegen der Klimaerwärmung, und die Bekleidung ohne High Tech. Mehr dazu später noch einmal mit Bildern aus dem Museum.





Wie man sieht, meistens sieht man NICHTS. Von dem langen Aufenthalt gab es nur 4 oder 5 Tage mit strahlendem Sonnenschein. So war meine künstlerische Suche nach dem NICHTS, japanisch MU ein voller Erfolg. Vor meinem Fenster materialisierte sich das Nichts, anschaulich! Diese permanente Veränderung war die einzige Gewissheit. Das kölsche Grundgesetzt Artikel 5 weiss es auch: Nichts bliev wie et iss. Philosophisch gesprochen denke ich an Heraklit: "In dieselben Fluten steigen wir und steigen wir nicht".




Vielleicht war morgens noch Schneegestöber und eine milchige "Einheitssuppe" und abends kam das herrlichste Licht wieder. Ein anderes mal war morgens das Licht so verlockend, das ich mich in meine warme Kleidung einmummelte um mich auf den Weg zu machen. Zielsicher kam ich dann in das Schneegestöber, welches nach meiner Rückkehr in die warme Wohnung sich in NICHTS auflöste. Der Aufwand von "an und-ausziehen" ist ziemlich abschreckend, ehrlich gesagt. (KLEIDUNG aus verschiedenen Lagen: long john von woolpower, warme Hose, zwei paar Socken in Wanderschuhen mit kräftiger Profilsohle, Ski Unterhemd, kleine Weste aus Synthetik "Daunen" Material, Fleece Jacke und einen sehr warmen Mantel. In Bewegung war das ausreichend. Mitunter zu warm, wenn es windstill war.) Die Profis haben besseres Schuhwerk und solche Scooter Anzüge "Modell Michelinmännchen".


Das HAIKU war meine künstlerische Flucht nach vorn: was ich in der Zeichnung nicht erfassen konnte tauchte unerwartet in Wörtern auf:


6.3.
Versunken im Nichts
Erahnung weiße Landschaft
Traurige Leere


7.3.
Wissend vom Berg dort
Nichts, losgelöst vom Augenschein
Dafür Rentiere


Wissend vom Berg dort
Nichts, befreit von Anschauung
Auflösung im Schnee






Sonntag, 26. März 2017

silent sunday # 117















Here comes the sun! solfestuka !
Am 8.3. feiern die Menschen von Longyearbyen die Rückkehr der Sonne. Nach Monaten der Dunkelheit ist sie "über dem Berg" wieder sichtbar. Es war auch noch Glück, das sie WIRKLICH zu sehen war. Dies scheint nicht immer zu klappen, so wurde mir gesagt. Hängt halt vom launischen Wetter ab.


Die Kinder sind mit gelben Sonnenkrägen geschmückt. Dann wird gesungen und eine kleine Ansprache in Norwegisch gab es auch.

Ich dachte schon: gewagte Haarfarbe, feiert man hier auch Karneval? Nein, es war die Kindergärtnerin die sich zum Anlas passend gekleidet hatte. Der übliche, warme Scooter Anzug, in dem man wie ein Michelin Männchen ausschaut. Genauso fühlt es sich auch an, Bewegung ziemlich eingeschränkt! Ach ja, die Fussgängerzone ist gut zu erkennen.

Nur ein kurzer Weg vom Kindergarten mit einer schönen Sonne bemalt, durch die überschaubare Fussgängerzone (siehe oben), dann die Abkürzung durch den Schnee in Richtung Kirche.



















Tatsächlich, was uns vielleicht selbstverständlich erscheint, hier ist es ein Ereignis. Die Sonne zeigt sich wieder! (Soweit das Fototechnisch zu dokumentieren ist). Und von Frühling, der mich gestern bei meiner Rückkehr erfreute, keine Spur.




Fast jeden Tag habe ich ein Haiku geschrieben. Das habe ich zuvor eigentlich nie gemacht, aber die Stifte versagten angesichts diese Landschaft. Haiku vom 8.3.

Rückkehr der Sonne 
Klärendes Licht verändert
Weiße Bergkontur

 Die Kirche nun in strahlendem Glanz!